Parc des Princes – Deutschland gegen Nord-Irland

Paris. Die Stadt der Liebe. Oder aber jene, die es in der erquickenden Großstadtmoderne gern sein möchte. Ja, das ist Paris. Hier wollen alle hin. Der Mensch sehnt sich im tiefsten inneren seines Herzens nach der romantischen und verklärten Liebe. Hier also, soll er sie finden.

Im gestrigen Fußball-Dschungel war von all der Liebe nur partiell etwas zu entdecken. Vielmehr durfte ich den scheinbar noch existierenden Fußballgott aus der Ferne hervorlugen sehen, wie er bzw. unsere deutsche Nationalmannschaft mir, uns, den Fans ein Tor schenkte. Und ja – deutsche und nord-irische Fans: sie umarmten sich innig. Da war sie also, die Liebe. Zumindest die zum Fußball, in diesem Fall gar zur zärtlichen Weltoffenheit, die man hinter der großen Fußballverbundenheit beider Nationen – Hand in Hand – erkennen konnte. Wie wunderbar romantisch. Wäre gegen die Niederlande eine solche Fußballfreundschaft doch nicht einmal ansatzweise vorstellbar gewesen. „Schade eigentlich“, sage ich mir. „Warum auch?“, fragt sich die Mehrheit.

Unerwähnt darf auf gar keinen Fall der imposante Enthusiasmus der nord-irischen Fans bleiben, die sich am Ende des Abends dann noch in Freudentaumel wähnen durften und ggf. sogar in ihr heißersehntes Achtelfinale einziehen können. Ist aus der deutschen Fankurve in erster Linie immer ein langweiliges: „Superdeutschland, Superdeutschland, hey, hey !“ oder aber ein „Deutschlaaaand, Deutschlaaand“ zu hören, schafften es die Nord-Iren am gestrigen Abend doch tatsächlich ein ganzes Stadion zum Beben zu bringen. Sie hüpften, tanzten, rissen ihre Arme in die Höhe, bewegten sich kreischend und machten Lust auf Mehr. Lust auf Fußball, Lust auf Liebe. Hier, wo man dem Champs-Élisées doch so nahe ist.

Bereits beim morgendlichen Duschen kamen mir die Nord-Iren in einer solch angenehmen Gemütlichkeit entgegen, dass sie mich vor allem an meine Lieblingsfigur aus dem Film „Herr der Ringe“ erinnerten: viele, bärtige Gimmlies. Mein Eindruck der Sympathie sollte sich also noch bis in die späten Abendstunden bestätigt fühlen.

Nur die Pariser „Féte de la Musique“ musste ohne die deutschen und irischen Fans auskommen. Müssen am 21. Juni zur „Féte de la Musique“ in Berlin aufwendigst konkrete Orte bezogen werden, die eine außerordentliche „deutsch-bürokratische“ Zulassung bedürfen, bedeutet die Sommerjahreswende in Paris: Musik machen, wo man, wo frau will. Eine Ode an die Freiheit. Die Straßen der französischen Hauptstadt durften in der vergangen Nacht bis in die nebelverhangenen Morgenstunden singen und musizieren.

Bleibt zu hoffen, dass ich in zwei und halb Wochen noch einmal hier sein darf. Dann im Stade de France, dann umgeben von ganz viel Liebe. Zumindest für den Fußball.


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