Wollte meine Mama doch eigentlich mehr Anekdoten über das französische Leben hier fernab von Deutschland lesen, komme ich nun nicht mehr umhin eine kurze Auffälligkeit über den deutschen Mann zu formulieren. Mir ist klar, dass uns an diesem geschichtsträchtigen Tag – dem Tag, an dem deutlich wird, dass Großbritannien die EU verlässt – eigentlich wichtigere Dinge bewegen müssten. Vielleicht aber kann diese Anekdote einen kleinen Beitrag dazu leisten, den Tag nicht in völliger Absurdität über die Menschen der großen Insel ausklingen zu lassen.
Seit einigen Tagen schon lechzt es in mir, die Nutzung der Toilettenrolle eines deutschen Mannes einmal kurz zu illustrieren. Es war in Lille. An einem Sonntag, kurz vor und nach dem ersten Länderspiel unserer deutschen Nationalmannschaft. Wie glückselig empfanden wir uns, trotz der ungeplanten Kurzfristigkeit unserer Suche nach einem kleinen Zeltplatz, ein einfaches und gemütliches Fleckchen im Fahnenmeer anderer deutscher Fans gefunden zu haben. 20 Kilometer von Lille entfernt, zumindest ungefähr.
Der Besitzer machte wohl den Umsatz seines Lebens. Und natürlich, wie üblich in Frankreich, gab es ausschließlich gemeinschaftliche Sanitäranlagen. Zwei Toiletten, zwei offene Duschen, die in einer Großraumkabine platziert und 300 Deutsche, davon gefühlt: 282 Männer – betrunken, angeheitert, deutsch. Und dass es sich bei dem gewählten Campingplatz eigentlich in erster Linie um ein Stück büschiger Wiese mit Gartenteich handeln sollte, davon wussten wir erst dem als ich mein Ein-Frau-Zelt bereits aufgeschlagen hatte. Es wunderte mich nicht, es störte mich nicht. Vielmehr erinnerte es mich an meine jungen, also noch jüngeren Jahre als jetzt, in denen ich Fußball spielte und frau sich wie die verschwitzten Kollegen des Männerteams in die Duschkabine quetschte, um einen Spritzer Wasser abzubekommen.
Da war er jedenfalls, der deutsche Mann. Und ich musste mir, um ehrlich zu sein, mein Grinsen schon stark verkneifen, als ich ihn, den hoch gewachsenen und stolzen deutschen Mann beobachte, der es ja scheinbar geschafft hatte, sich eine Ticket für die Fußball-EM 2016 zu ergattern. Er ging zur Toilette. Und was hatte er bei sich? Eine Klorolle. Aber nein, er hatte sie nicht nur dabei. Er nahm sie in die Hand, er präsentierte sie, sich und dem Rest der weiten Welt. Stolz lief er zur Toilette und war sich natürlich nicht zu schade dafür, sein Kloröllchen willentlich mit schwungvollem Schritte vor sich herzu balancieren. Nur machte dies nicht nur einer, es machten alle. Zumindest alle Männer. Wenn ich da uns Frauen denke? Wir würden unter keinerlei Umständen die Klorolle dem Rest der Welt unter die Nase reiben. Weit gefehlt, wir sagen ja auch „Toilette“ und nicht „Klo“ – wir sind das saubere und nicht das grobspurige Geschlecht dieser Erde (Auch wenn viele Frauentoiletten zu meinem Bedauern das komplette Gegenteil darbieten.). Wir jedenfalls würden der Toilettenrolle ein zartes Stücklein entfernen, dieses ordentlich zusammenfalten und es entweder in BH und Slip stecken. Nur ja so, dass keiner Notiz davon nimmt. Obwohl bei uns das Geschäft bei ja überhaupt nicht voneinander unterscheidbar ist: Toilettenpapier nehmen wir immer mit. Der Mann hingegen hat es im Leben ja eh schon leichter und das nicht nur, wenn er Pippi macht. Er jedenfalls teilt es uns, ja vor allem uns Frauen mit: „Jetzt mache ich mein großes Geschäft.“ Dabei freut er sich und schaut obendrein selbstsicher aus: ebenso wie bei kleinen Kindern. (Nachsatz: „Liebe Männer, wir wollen das gar nicht wissen!!!“)
Übermorgen bin ich abermals in Lille. Was für ein Glück. Wer weiß welche atpypischen Verhaltensweisen des deutschen Mannes mir da wieder ins Auge fallen werden. Ich muss jetzt schon lachen, wenn ich an das Männermeer denke, welches sich abermals mit weißen Papiertüchern schmückt und sich gleichsam darüber freut.
Ja, so ist er, der (deutsche) Fußball. Und ich liebe ihn so wie er ist.