Frankreich ist ein Paradies. Ich habe mich verliebt. Verliebt in den atlantischen Ozean. War ich doch für lange Zeit schon einmal in Italien (Am kommenden Samstag, machen wir Euch dennoch platt Ihr Pizza-Halunken!!!), verfange ich mich hier in dem Netz des mitteleuropäischen Paukenschlags: mediterran trifft auf gediegen. So wie sich Großbritannien und der Nord-Westen Frankreichs in der Nähe Calais küssen, verschlingen sich hier die Grundwerte der verschiedenen Europäer. Es ist, als würde ich Italien fremdgehen… wo ich doch schon solange mit diesem einzigartigen Land liiert bin. Angefangen hat meine Zeit mit einem zarten Rendezvous. Doch bereits nach einigen Tagen habe ich mich gänzlich in den Bann dieses schönen Landes ziehen lassen. Und jetzt? Jetzt befinde ich mich in einer kurzen, aber verheißungsvollen, Liaison – der dunkelblaue Atlantik und das verträumte Ich.
Anfang zwanzig nutzte ich Zeit und Gelegenheit, um Teile meines jungen und beginnenden Lebens in Italien zu verbringen. Noch heute verpöne ich den Norden und fühle mich vor allem zu einer Region hingezogen: Apulien. Während ich meinen guten Freund Paolo im vergangenen Jahr zur Hochzeit besuchen durfte, spürte ich die Freiheit und Lebendigkeit, die ich Anfang zwanzig noch geradezu in mir aufgesogen hatte, nicht mehr. Das Leben, das Erwachsensein hat seine Spuren hinter lassen – auch in jungen Jahren. Die massive, geradezu erdrückende Weltoffenheit, Spritzigkeit und Energie der Italiener; ich liebe sie noch genauso wie damals. Ich bin es, die sich verändert hat. Damals hätte ich mich vermutlich ebenso wenig in den französischen Atlantik verliebt, wie heute in das Mittelmeer. Ich bin ruhiger geworden, auch wenn mein Partner das wohl eher weniger bestätigen würde. Klar, ich laufe barfuß durch den Sommerregen, lege mich in Pfützen oder klettere Bäume hoch – dennoch, es handelt sich dabei nur noch um Momentaufnahmen, nicht mehr um eine Lebensphilosophie. Hier im Westen Frankreichs ist es wenig überfüllt, warm und durch den starken Wind dennoch so kühl, wie ich es gern hab – hier trifft alles aufeinander. Es gibt Oliven, Käse, Wein – alles was mein Herz zum Leben braucht. Ich bin erwachsen geworden – ein Grund, warum mich dieser Teil Frankreichs so glücklich macht: Freiheit und Ankommen vereint.
Und doch ist jede Reise ein Lehrstück über sich selbst. Und eines lerne ich hier ganz deutlich: ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Vielleicht ein Buch; oder aber einen Füller zum Schreiben, Lebensmittel, eine Dusche – der Rest kommt von ganz allein. Ich beginne Steine zu sammeln, zu kochen, in den Tag hineinzudenken und mich von meinem Leben in Berlin abzuwenden.
Ich habe Lust auf Abenteuer: zum Geburtstag wünsche ich mir ein Kite und einen Kite-Workshop, dann möchte ich gern meinen Motorrad-Führerschein machen, mir doch eigentlich einen kleinen VW-Bully kaufen, in einem der nächsten beiden Jahre den Jakobsweg nehmen und nebenbei wie eines meiner großen Idole „Johanna von Orlean“ (wohlgemerkt: Französin) die Welt retten. Und eigentlich doch noch so viel mehr. Ich möchte immer alles. Nichts auslassen, alles erleben, und das am allerliebsten gleichzeitig. Ich kann mich vor Träumen und Wünschen gar nicht retten. Vielleicht jedoch kann ich diese mit dem Bestehen meiner augenblicklichen Reise in einem veränderten Zeitkorridor lenken: ich muss im kommenden Jahr ja nicht gleich unmittelbar ein Kind haben, verheiratet sein, meine Weltreise beginnen und überdies auch noch promovieren, parallel die SPD schmeißen, mein Psychologie-Studium vorantreiben und damit zwar vieles erreichen, nur jedoch nicht mich selbst. Da ist es wieder das große Berlin, der Druck der Großstadt, der vermutlich viele von uns kennen.
„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ ein Zitat von Pippi Langstrumpf. Eines meiner liebsten. Vielleicht ist es jetzt endlich an der Zeit, damit einmal anzufangen. Und Frankeich, mein Liebchen – dass es Dir gesagt sein: „Du bist meine schönste Romanze, doch zuhause – vor allem bei Mama – ist es immer noch am schönsten.“
Mein heutiger Buchtipp: „Wenn du Orangen willst, such nicht im Blaubeerfeld“ von John Strelecky – es ist einfach göttlich und ein Anstoß, sich wieder selbst zu entdecken.
Und morgen folgt eine ausgecheckte fußballbedeutsame Einschätzung meiner Wenigkeit über das kommende Match am Samstag: Germany vs. Spaghetti-Fresser.


