Ein kurzer Gruß, ohne die übliche Tiefe und Gedankenverlorenheit, die den Artikeln bisweilen sicher ihre Spritzigkeit verliehen haben. Nicht dass ich mit etwa fünf Stunden Zeitverschiebung zum Berliner Uhrentakt einen tiefen Jetlag erlitten hätte – und ja, auch an Themen fehlt es mir wie die meisten der Leser*innen wissen sollten, gewiss nicht. Vielleicht bringt es das Wort „Trägheit“ in seiner Banalität noch am Ehesten auf den Punkt. Seit Februar mehr als 60 Stunden in der Woche durchzupowern, hinterlässt seine Spuren. Auch bei mir. Nur Jammern passt am wenigsten zu meiner Person.
One day in Bangkok – 14 Mio. Menschen und ich inmitten der Massen. 30 bis 40 Grad, subtropisch. Gefühlt habe ich heute bereits so viele Aktivitäten hinter mir, dass im Grunde genommen nur ein noch spannenderer Urlaub auf sich warten lassen kann. Endlich also sollte es losgehen. Und entgegengesetzt der 90 Prozent Thailand-Touristen haben wir nach Landung mit dem Flugzeug weder Taxi noch Shuttle-Tram dafür Zug und Bus (zweites erinnerte jedoch eher an die offene Pferdekutsche in Prerow – wohlgemerkt ohne Tiere, dafür aber auch ohne Fenster und ohne richtige Türen…) genutzt, um in den Innenkern der Stadt zu gelangen. Half uns ein glücklich ausschauender Mann den Bus zum richtigen Zeitpunkt zu verlassen, begleitete eher uns im Anschluss daran glücklicherweise in eine belebte Straße zum Finden einer geeigneten 14-Euro-Unterkunft (pro Nacht). Sorgen Bass und Subwoofeer der Party unter uns sorgen zwar gerade für einen erheblichen Flashback zurück zur Loveparade in die Neunziger Jahre (oder einfach nur an die Hamburger Reeperbahn); haben wir ein Dach über den Kopf. Das reicht. Klo – wie der Berliner es sagen würde – und Dusche befinden sich auf dem Gang. Zwar kalt, dafür funktionstüchtig.
Erlebt und gesehen haben wir heute bereits eine Hand voll: den Golden Mountain (Wat Saket) inkl. 318 Stufen mit einem sagenhaften Ausblick über die Stadt, die Tempelanlage Wat Ratchanda einschließlich Andacht, ein TukTuk (3-Radwagen) sogar Chinatown konnten wir umtriebig machen. Und schließlich hatte ich endlich einmal mehr Gelegenheit mich als Pfadfinderin zu üben – ohne Internet und dem üblichen Navigationsgerät: stattdessen überdacht von Regenmassen vom Himmel mit der Karte in der Hand – alles um zurück zur Herberge zu finden… und – es ist geglückt. Ronja Räubertochter also habe ich doch noch nicht verloren. Was für ein Glück. „Glück“ – ein Begriff der mir hier fernab von Berlin, mitten in Bangkok obenhin ohne Vorwarnung spielerisch, fast dreist ins Gesicht springt und ruft: Lachen macht gesund, auch Dich. Man bzw. ich kann mich diesem sich aufdrängendem Gefühl gar nicht widersetzen; der Emotion nicht nicht aus dem Weg gehen. Das Glück, es lacht Dich trotz oder gerade wegen der ganz offensichtlichen Armut vor Ort an und nimmt Dich in seinen Bann. Es ist wohl ein Privileg Europäerin zu sein, eines welches ich allzu oft abstreifen möchte. Geht es uns so gut wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, komme ich trotzdem nicht umhin, mich ständig mit Nörgeleien konfrontiert zu sehen. Vor allem oft von eben jenen, die oftmals keinerlei oder nur marginalen Output zu den Sonnenseiten unserer westlichen Gesellschaft beitragen. Hier gestaltet sich der Habitus eben doch anders. Glück jedenfalls ist ein Wort, welchem ich in den kommenden Tagen zumindest ansatzweise ein wenig Rechnung tragen möchte. Liegt es nun an meiner Wahrnehmung oder an dem Gestus der hier lebenden Menschen – Bangkok ist voll davon. Versuche ich doch mal ein wenig davon zu kosten…..
Mein heutiger Musiktip: Dido, 1999, Album – No Angel
Gute Nacht.


