Verdrehte Welt – die Thailänderin in mir

Wenn einer immer Recht haben will, wird er dies selbst wohl kaum zu geben können. Wenn jemand immer alles besser weiß, ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls bescheiden, dies zu bestätigen. Und wenn jemand seinen Stress zum Stress anderer macht, dann vermutlich am allerwenigsten. Besonnenheit und Freundlichkeit, Tugenden die in Thailand allgegenwärtig sind und bei mir eine große Suche auslösen. Am Besten man löst sich in Luft auf; aber auch das funktioniert nicht. Verstummung, es reicht nicht. Ein Allheilmittel? Die Rezeptur, das Gegenmittel – ich habe es noch nicht gefunden.

Dafür jedoch Engstirningkeit und wenig Aussicht auf Veränderung. Es ist wie es ist. Jeder ist wie er ist. Und manchmal passt es halt einfach nicht. Mehrere Jahre dem Postulat zu folgen „was nicht passt, wird passend gemacht“ ist nicht auf den erhofften Nährboden gefallen. Warum also sollte es in einem fremden Land anders sein?

Zorn statt Liebe, eigenes Unvermögen zum Unvermögen anderer machen – etwas, dass weiß Gott nicht zum Leben und Sein der Thailänder passt. Sich zurück nehmen, sich in den Dienst anderer stellen, womöglich berechtigte Tränen in Seifenblasen verwandeln und trotz hier wirtschaftlicher, an anderer Stelle emotional-liebender Armut weiter voranzuschreiten, das zeichnet dem Thailänder aus… und doch: Rücksichtnahme kann dann gut funktionieren, wenn die meisten nach dieser Tugend leben und sich die Tugend damit zu der Haltung einer ganzen Gesellschaft entwickelt. Eine Hand voll Menschen, welche dieser Tugend nur wenig abgewinnen können, fallen in einer Mehrheit nicht auf. Sie sind evidenterweise die Minderheit. Vergleicht man jedoch Makro- mit Mikroebene kann die Auffälligkeit nicht hinterm Berg gehalten werden. Dann ist nämlich ist das Verwechseln von Unvermögen einfach nicht gerecht – in erster Linie sich selbst zu sehen, führt zur Devotheit des anderen. Und wenn diese dann auch nicht reicht, kommt man nicht umhin sich die Frage nach seiner eigenen Existenzberechtigung zu stellen.

Niemand ist eine Insel – ein Satz der Filmgeschichte, der einfach nicht stimmt. Manche brauchen einfach nur einen, um glücklich zu sein: sich selbst.

Der Thailänder auf jeden Fall nicht. Suche ich Sie also weiter, die Thailänderin in mir.

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