Von Bangkok nach Koh Kood, Papa – Wo bist Du eigentlich, wenn man Dich braucht?

Koh Kood, viertgrößte und mitunter einsamste Insel Thailands: Allein die Anreise präsentierte sich als reinstes Abenteuer. Gestern noch im neonfarbigen und lauten Bangkok, zeigt sich Thailand heute von einer ganz anderen einzigartigen Seite. Von der Tropik an dem Golf von Thailand – eine wahre Odyssee. 05:45 Uhr Weckerklingeln, Dusche mit kaltem Wasser, Stress – 06:45 Uhr an einem verlorenen Tisch auf zwei Stühlen hockend und wartend (wohl gemerkt entnervt von der Eile und einem raschen hoffentlich nicht zur Gewohnheit werdenden Anranzer am Morgen) in der Hoffnung, dass sich der gestern vereinbarte Transfer Richtung Trat (Zentral-West-Thai) auch als Wahrheit entpuppt und nicht nur als schlechtes Omen. Nach einem holprigen Hingezottel Richtung Nachbarstrasse vom letzten Hostel ausgehend, einem kurzen Gekauere am besagten Tisch, sollte es nun soweit sein: ein junger Mann – das Alter lässt sich aus meiner schmächtigen Europärer-Perspektive nur schwer schätzen – winkt freudig strahlend und ruft in lauter und heller, fast gellender Klangfarbe „Kho Kood, Kho Kood !!!! “ Er also sollte es sein, der und zum nächsten Anlaufpunkt bringen würde. Ich dankbar, die Stimmung zwischen den beiden Reisenden immer noch angespannt und entnervt: wir stehen auf, hasten los und eilen dem jungen Mann samt Riesenrucksäcken am Rücken, Tagesbeuteln an der Brust und Plastetüten ande Hände hektisch hinter her. Und nach dem nach 100 Metern immer noch kein Ziel auf sich warten lässt, bemerke ich es neben bzw. 5 m vor mir – da wird mein Freund doch tatsächlich nervös. Mein großer stämmiger Freund, so wie ich ihn kenne 🙂 Ich schmunzle und übergehe die unnötigen Kommentare, in der Gewissheit, das man in solchen Situationen nicht immer das sagt, was man auch tatsächlich meint. Fragezeichen und Unklarheiten sind eben doch bei jedem gleich: sie sind unangenehm. Also entscheiden wir uns nach dem Bruchteil einer Sekunde weiter voran zu hetzen, immer noch in der Hoffnung den tatsächlichen Abfahrtort als verschwitzte Packesel zu erreichen.

Und in der Tat, er näherte sich. Nach einem kurzen Schlenker rechts, konnten wir den jungen Mann auf seinem Moped fast gar nicht mehr sehen; dafür aber den Bus, der und endlich Richtung Trat bringen sollte. Welch Wunder – ein hochklimatisierter Bus wartete auf uns. Nun lagen sie also vor uns, die 5,5 Stunden Bus samt interessantem Einblick in die wahren Verkehrsverhältnisse Thailands (07:30 Uhr). Eine Hauptstadt ist und bleibt eben ein Phänomen für sich – so wie Berlin nicht für Deutschland steht, tut es Bangkok ebenso wenig für Thailand.

Die fünfstündige aus meiner Sicht sehr passable Busfahrt sollte in einem zweiten Zwischenstopp münden – zwischen Trat (letzte große Stadt vor Kambodscha) und dem thailändischen Golf – 13:00 Uhr. Abermals warten, diesmal jedoch umgeben von einer Subtropik, die Bangkok ein für alle mal in den Schatten stellt. Das also ist das Dschungelbuch – wir konnten es riechen, schmecken und sehen. Mitten im Nirgendwo kurz vor Meeresbeginn im thailändischen Regenwald. Gab es eben noch eine Hauptstraße und einen klimatisierten Bus, folgten nur kleine Wege und einen offener an die Bummelbahn des Spreewaldes in Berlin erinnernder Anhänger, auf dem es sich circa 20 Menschen soweit es denn ging, gemütlich machten.

Nach gutem Festhalten, um nicht herauszufallen, kamen wir also an, am indischen Ozean. Ein Boot, das auf uns wartete, startete wenige Minuten nach unserem Betreten und machte sich samt Insassen auf den Weg Richtung Kho Kood (Auf die seltsame in mir aufkeimende Analogie zu machen Situationen an den süditalienischen Küsten der letzten Monate, verzichte ich an dieser Stelle).

Der lange Weg sollte sich also lohnen. Nach einer Stunde Bootstour inkl. Wellenreiten und Übelkeit kamen wir an: bei Regen. Und es hörte nicht auf. Hatten alle anderen Touristen ihre Unterkunft bereits gebucht, wollten wir unser Glück auf eigene Faust versuchen. Schnell fiel auf: Weit gefehlt, nicht dass sich der anfänglich leichte Regen indes in einen sich ergießenden Himmel verwandelte – die Unterkunft, für die wir uns entschieden hatte, zeigte sich geschlossen. Und nicht nur, dass wir die letzten waren, welche eines der zehn einschließlich offener Heckladefläche gestalteten Autos besteigen durften, ich während der Autofahrt über dem Auspuff des Autos hockte und in Benzin mein neues Rauschmittel entdeckte; nein der halbe Regencape hielt unser Ziel nicht davon ab, uns vor Ort mitzuteilen: ich habe geschlossen, 15:00 Uhr.

In lauter Eile entschieden wir uns also für eine andere Unterkunft – irgendeine, würde ich sagen. Mehr ging einfach nicht mehr. Danke an den guten Mitreisenden aus Mittweida aus der Heimat, der uns kurz sein Handy zur Verfügung stellte. Die Thailänder wie immer liebenswert und höflich fanden dann allerdings rasch selbst eine Alternative und entluden uns am entsprechenden Ort. Und jetzt? Bin ich glücklich, erschöpft aber glücklich (15:30 Uhr).

Gerade höre ich das Rauschen der Meereswellen, auf unserem Bungalow muss ein Affe sitzen, die Grillen zirpen. In Thailand – zumindest im Destrikt Koh Kood, geht bereits 18:00 Uhr die Sonne unter. Kurz davor bin ich in das Meer getaucht – das Wasser wärmer als die Luft. Das Glück greift nach mir. Nur jetzt, nachdem wir vorhin gegessen haben, und mein Freund mir erklärte, dass er den Gekko aus unserem Bad nicht befreien kann, wurde es mir dann doch etwas zu mulmig. Würde ich diesbezüglich behaupten eher angstfrei anstatt angstausgestattet zu sein, habe ich mit dem kleinen Gekko einfach nicht gerechnet. Und entgegensetzt meiner beiden männlichen Vorbilder Papa und Stiefpapa, erklärte mir mein Freund natürlich, er hätte und habe alles versucht den Gekko zu fangen. Dieser Versuch hat zwar nur ganze Sekunden gedauert, aber das sage ich ihm natürlich nicht… Er bekommt den Gekko einfach nicht aus dem Bad. „Wenn nicht, dann müssen wir unsere Reise von nun an anders planen, es sei jetzt nicht zu ändern und ich hätte ein tradiertes Rollenbild von dem, was ein Mann und eine Frau und so weiter und so fort…. “ schließlich also musste ich meinen Frieden mit mir selbst schließen, feststellen, dass Fabian nicht Papa ist und so tun als wäre alles in bester Ordnung. Zähneputzen draußen bei Regen kam eher weniger in Frage – und so stellte ich mich meinen Ängsten.

Eine Frage jedoch bleibt für mich offen: sollte mich im Urwald in den kommenden Wochen doch einmal eine Königkobra angreifen und verspeisen wollen, wer rettet mich? Ich jedenfalls bereite mich schon mal auf alle Eventualitäten vor; jetzt wo Papa doch so weit weg ist…. (00:31 Uhr).

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