Phnom Pengh – zwischen Geschichte und der Suche nach einem besseren Leben

Eigentlich hatte ich im Verlauf des Tages für meinen Blog ein kleines sehr autodidaktisches Kurzvideo (ebenso wie der Blog selbst) gedreht – nun hat mich gerade das Netz verlassen und ich versuche den Trailer in Kürze zu laden und nachzuholen. Phnom Pengh ist eine wirklich beeindruckende wenngleich trotz ihres z.T. sonnigen Hipstar-Flairs weinende Stadt, die durch ihre Geschichte samt Ausrottung, Vertreibung und Umsiedlung gezeichnet wirkt. In vielerlei Hinsicht wirken Märkte, Menschen und Nebenstraßen irgendwie sentimental auf mich: traurige Kinderaugen, eine unbeschreiblich traurige Armut (die sich ganz anders als die innereupäischen Tragödien etwa in der Pariser Vorstadt präsentiert – wenn Armut überhaupt irgendwie miteinander vergleichbar ist, überhaupt verglichen werden sollte), die mich in ihren Bann zieht. Kinder winken uns zu. Als ob sie jubeln würden. Ich fühle mich schlecht. Und zeitgleich verfluche ich dieses Gefühl in mir. Ich bin verwirrt. Neben den dankbaren Restaurant-Betreibern, den emsigen Verkäufern auf ihrem Drahteseln an der Straßenseite (Fleisch jeglicher Art, Obst – vorzugsweise natürlich Kokosnüsse, kalten Shakes und Kaffee auf Eis), den überschwemmenden oft sehr aufdringlichen TukTukfahrern (wie könnte man ihnen es verübeln.. ) und einigen wenigen Menschen, die für den Staat arbeiten; gibt es hier eine Vielzahl junger Frauen, die mit ihren noch jüngeren Kindern an den Bars von Tisch zu Tisch ziehen, um um Geld zu flehen. Vor allem einige Kinder lernen nach ihrer postelementaren Phase, scheinbar bevor sie sprechen können, wie es ist, sich in einem Leben auf der Straße zu behaupten. Mehr als Zweidrittel der Bevölkerung sind Analphabeten. Alles, was unser Auge sieht, kann man hier nachlesen: https://www.bmz.de/de/laender_regionen/asien/kambodscha/zusammenarbeit/index.html

Besucht haben wir heute nicht nur die deutsche Botschaft und den Palast des Königspaares „Wat Preah Keo Marokot“, vor allem das „Tor zur Hölle“ – das Foltergefängnis S21 Tuol-Sleng-Genozid-Museum haben wir heute zur Besichtigung auf uns genommen: Ein Schreckensort, der zwischen 1974 und ’79 mehr als 20.000 Menschen unter barbarischen und quälenden Abschlachtungsmethoden zum Opfer brachte. Eine ehemalige Schule, welche durch die rote Khmer zu einem der teuflischsten Orte dieser Erde verwandelt wurde und während der schrecklichen nationalistischen Guerilla-Bewegung nicht mehr als zwölf Menschen überlebten: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tuol-Sleng-Genozid-Museum Erst Anfang des 21. Jahrhunderts wurden einige wenige der Schlächter vor dem internationalen Gerichtshof für Menschenrechte offiziell als Straftäter verurteilt.

Ein gedemütigtes Volk, was viele Fragen in mir auslöst, auf die es wohl keinerlei Antworten gibt. Wenn dann nur einen bescheidenen Beitrag, die Welt ein Stück besser zu machen. Mensch bleibt eben Mensch, egal welche Religion, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe er trägt. Die Herkunft ist egal. Alles was zählt ist Chancengleichheit, Freiheit und Liebe. Wer das immer noch nicht verstanden hat; ist nicht nur ganz weit weg von mir, er hat auch nicht verstanden, dass man es sich nicht aussuchen kann, in welche Welt man hineingeboren wird.


Hinterlasse einen Kommentar