Kambodscha, eine Oase der Gedanken

Kambodscha, soweit ich es beurteilen kann, ist eines der atemberaubendsten Länder, das ich in meinem jungen Leben je kennenlernen durfte. Die Momente einzufangen und beschreibbar zu machen, ist eine wahrlich schwere Aufgabe, die wohl jeden vor eine mittelschwere Herausforderung stellen würde, der dieses Land samt bunter und ergreifender Eindrücke via Fußweg hinter sich lassen darf.

Der Abschied naht und bevor mich morgen die Hoh-Chi-Minh-Stadt erwartet, in ihren Bann zieht und neue Abenteuer auf mich warten, versuche ich einen letztem Atemzug in diesem kleinen teils sehr touristischem, armen zugleich verträumten Städtchen zu nehmen, bevor ich Lebewohl sagen muss… Hat Lek, Koh Kong, Pnohm Pengh, Siem Reap, Angkor Wat und heute der Tonle Rap – sieben eindrucksvolle, traurige aber auch nachdenklich stimmende Tage liegen hinter mir.

Der Kambodschaner lebt auf dem Land, zumindest die meisten des kleinen Völkchen – ein Relikt, dass vermutlich auf die rote Khmer zurückzuführen ist, welche die Menschen aus ihren Städten rissen, umsiedelten und das Land zu einem Staat der Bauern und Landwirtschaft entwickeln wollte. Nahe zu alle Häuser, wenn man sie denn aus unserer Perspektive so nennen kann (sie sind immer offen und fast immer aus Stroh, Holz oder Bambus), befinden sich auf Stelzen. Alle Menschen leben hier in Abhängigkeit zur Trocken- und Regenperiode. Aktuell befinden wir uns in der Zeit des Monsuns – trotz der unbändigen Wärme regnet es hier Tag aus, Tag ein (Gott sei Dank nur wenige Stunden). Doch die Menschen sind ihrem Wetter stets voraus. Die Kambodschaner, die auf dem Land wohnen, leben von der Landwirtschaft und dem Verkauf an der Straßenseite von nebenan (Anmerkung: ich habe noch nie so viel Kokosnüsse getrunken wie hier – welche Wirkung haben die eigentlich?).

Nähert man sich einer Stadt, insbesondere eine Großstadt (1. Pnohm Peng, 3. Siem Reap bspw.), kommt man nicht umhin feststellen, dass die Hilfen der verschiedenen (auch europäischen) Industrienationen die Wirkung erzielen, die sie wohl auch beabsichtigen. Große Maschinen für den Bau neuer Immobilien stehen an den Straßenrändern, der Verkauf von Rohstoffen ist ersichtlich und eine Vielzahl an Menschen beschreibt das Straßenbild.

Die Kambodschaner sind ein naturverbundenes Volk, welches ihre Liebe vor allem in dem Zelebrieren des Picknickens gefunden zu scheinen hat (natürlich neben dem Moped-Fahren, wohlgemerkt ab 12 oder zehn Jahren…). Ob auf dem Land oder in der Stadt – picknickende Gruppen findet man überall. Gibt es in Deutschland Raststätten an der Autobahn, Schnellrestaurants oder Container für unsere Bauarbeiter auf den Baustellen; gibt es in Kambodscha Plastetüten/ -decken auf dem Boden und jede Menge Reis, Gemüse und verschiedene Fleischgebeine. Ob am frühen Morgen oder um Mitternacht – gepicknickt wird immer. Egal wann, egal wo.

Das Land regt zum Nachdenken an, 17 Minuten habe ich noch bis der Bus kommt. Ich frage mich: wie viel brauche ich um glücklich zu sein, was bedeutet eigentlich Glück und bedeutet Glück immer Sicherheit, einen festen Job und ein gemütliches Zuhause? Trägt man Glück im Herzen oder im Gehirn? Es gibt viele Lehren, denen ich mich sicher nicht nur in den kommenden zwölf Stunden Busfahrt Richtung Vietnam stellen werde. Vielleicht ist es auch eine Lebensaufgabe – meine Lebensaufgabe: anzukommen, bei mir selbst. Und vielleicht finde ich mein Glück doch eher in der Ferne als zuhause in einem aufbrausenden und hektischem Berlin, das immer mehr und mehr von mir will und von dem ich einfach nicht lassen kann.

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