Schlüppi-Alarm im NordWesten Rumäniens

20:31 Uhr; in Rumänien, eine Stunde Zeitverschiebung zur temporalen Zeitlogik der deutschen Zeitschaltuhr. Der Gasherd brutzelt und noch immer kann ich mich mit den Gesetzmäßigkeiten von Gasherden nicht anfreunden. Das Macbook befindet sich auf meinem Schoß, der Wein ganz in meiner Nähe. Immer wieder muss ich zur kleinen Koch-Ecke. Ich bin vergnügt.

20:59 Uhr; zwei gesättigte Bäuche bunter Salat samt Pilzen, Kartoffel und Hallumni-Käse später: Heute waren wir in einem der wunderbar großen Auquaparks Rumäniens, um uns morgen noch weiter Richtung Transsilvanien von Dannen zu schieben. Es war ein schöner Tag. Die großen Wasseranlagen des Freizeitparks erinnerten mich ein wenig an die bunt einladenden Wasserspielmöglichkeiten rund um Berlin – hier allerdings im Freien. Tropical Islands, das ehemalige Blubb-Gelände oder aber der Turm in Oranienburg – eine Mixtur, bestehend aus gefühlt abertausenden Rutschen und Außenwasseranlagen warteten auf uns. Ich freute mich. Gelang es uns in Felix Baile, Oradea immerhin das erste Mal den von uns vorher ausgesuchten Campingplatz samt anvisiertem Ziel – der sich 7 km weit entfernte Wasserpark – zu erreichen. Ein kleines Wunder war geschehen.

Der Nymphaea Auquapark Oradea (http://www.aquapark-nymphaea.ro) wurde vor einigen Jahren Dank eines EU-Förderprogrammes erschaffen, der strukturarme Regionen in Europa und damit auch in Rumänien stabilisieren sollte. Aus meiner Sicht ist es dem Ansinnen dieses Förderfonds mit Bravour gelungen, genau das zu erreichen. Und so parkten hunderte von Autos dem großen Parkplatz vor dem Entree des Parks und das weitaus klüger als im vergangenen Jahr während der IGA in Berlin, Marzahn-Hellersdorf. Unsere Ankunftszeit betrug 11:30 Uhr. Das führte dazu, natürlich keinen mehr der üppigen Parkplätze zu ergattern. Und so parkten wir in einer der Seitenstraßen in der Hoffnung wir stünden später, irgendwann in den Abendstunden, im Schatten.

Müsste ich den Freizeitpark beschreiben, würde ich ihn als typisch deutsch einklassifizieren. Sauber und ordentlich, korrekt. Ich frage mich manchmal, ob es das braucht – das Beschreiben des Typischen, das Spezifischen in den verschiedenen Ländern dieser Erde? Das, was man/ frau allgemeinhin mit dem einen oder anderem Land, dem einen oder anderen Völkchen verbindet? Warum? Aus meiner Sicht: nein. Empfinde ich mich selbst doch als Weltenbürgerinnen, ja Weltenbummlerin und ganz und gar überhaupt nicht als Deutsche. Andererseits frage ich mich, wie man zu der Beschreibung „bunt“ überhaupt kommen, wenn Zuschreibungen in der irdischen Welt keine Rolle mehr spielen? Hier jedenfalls wirkte alles gediegen. 11,50 Euro Eintritt pro Person für den ganzen Tag (10:00 bis 22:00 Uhr). In Deutschland wären wir wohl mit mindestens 25,00 Euro dabei gewesen; und das im aus meiner Sicht günstigen Berliner Raum und Umland. Die Menschen wirkten freudig nett, es gab viele Familien, viel Lachen und vor allem weitaus mehr Ruhe als in den deutschen Badeanstalten. Zeichnen diese sich doch vor allem durch Geschreie, Rumgehetze und Getöse der wuchernden Menschenmassen aus. Hier wirkte alles, wie soll ich sagen – ein wenig friedlicher. Blonde Menschen gab es wenige. Von 1500 Menschen waren es vielleicht drei Frauen; mich bereits eingeschlossen. Dafür gab es hier dichtes, dunkles Haar, sonnengebräunte Haut und schöne Frauen. Darüber hinaus wirkten die Menschen insgesamt etwas korpulenter auf mich – was mich keinesfalls störte und für mich Dank meines langen Italienaufenthalts Anfang meiner 20er kein Neuland in südlichen und südöstlichen Ländern sein sollte. Neu für mich, und darüber freute ich mich überhaupt nicht – Menschen die meine Meinung zu dieser sexualisierten Welt kennen, erahnen sicher meine Meinung zum Sachverhalt – waren die jungen Mädchen im Alter von 13 Jahren, die allesamt im schmalen Tanga-Schlüppi zwischen den verschiedenen Schwimmbecken grazierten. Man darf durchaus eine andere Meinung als ich zum vorhandenen und nicht wegzudiskutierendem Sexismus haben und dennoch wären meine Beobachtungen dem einen oder anderen wohl eher übel als angenehm aufgestoßen. Vielleicht und ganz sicher waren es auch nicht „alle“ jungen Mädchen. Aber zumindest so viele, dass es mir aufgefallen ist. Und wieder kriecht eine dieser Fragen in meine Gedankenwelt, ob und welcher Zusammenhang denn nun zwischen sexualisierter Visualität und sexualisierter Ungerechtigkeit in unseren Sphären existiert. Vielleicht wollten die jungen Mädchen auch einfach nur ihre Pobacken bräunen, wobei die Eltern sie versuchten bei ihrem Anliegen pädagogisch zu unterstützen. Vielleicht bin ich mittlerweile dank der sexualisierten Werbelandschaft einerseits und der sexualisierten Berliner Kulturszene andererseits auch so paranoid geworden, dass ich Dinge sehe, die gar nicht existent geschweige denn negativ bewertbar sind? Vielleicht ist es ein Trend, den ich nicht kenne und der sich bereits auch in Deutschland verbreitete hat. Bin ich immerhin seit 1,5 Jahren keine Praktikerinnen mehr in der Kinder- und Jugendarbeit…

Ich halte inne. So ist es wohl. Die Welt wird bunt durch ihre Andersartigkeiten und ihre verschiedenen Kulturen. Ich freue mich, mal mehr mal weniger. Heute jedenfalls umschlingt mich der Tag von guten Gedanken, entspannten Eindrücken und dem letzten Tropfen meines Roséweins aus dem ungarischen Aldi oder Lidl. Soll doch jede ihren Schlüppi tragen wie sie will.

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