Es gibt kein Netz. Dafür viele Menschen, 0,5Liter-Wasser-Flaschen für 10 Cent, einen wahnsinnig günstigen Wechselkurs und prachtvolle Moscheen – eine schöner als die andere – die an die stilistische Schönheit der Kirchenbauten in Deutschland nicht annähernd heranreicht.
In Istanbul bewegt man sich mit einer Karte durch die Straßen. Man erhält sie für 6 Lira und kann sie jederzeit und überall mit Geld aufladen. Sie bringt Dich durch die Stadt. Man benutzt die zum Bezahlen des Buses oder des Fährtransfers zum nächsten Stadtteil (wie just in diesem Moment), zum Bezahlen des Parkplatzes oder der öffentlichen Toiletten.
Derzeit stehen wir mit unseren beiden Gefährte in Kataköy auf dem Parkplatz eines großen am Mittelmeer liegenden Stadtparks. Neben uns steht ein deutsches Auto mit einem jungen Paar aus Stuttgart. Erst dank ihnen wussten wir gestern, wie man sich in Istanbul in die Innenstadt bewegt. Ihre Reise geht weiter nach Indien. Auf dem Parkplatz stehen weitere Wohnwagen. Einige der Istanbuler Menschen werden hier leben. Heute Morgen fungierte unser Wohnmobil erstmals als kleine Insel. Es hat das erste mal während unserer Reise geregnet. Kurz vor dem Gewitter haben wir in der Nacht die Wäsche abgenommen und in irgendeinem Gulli auf der Straße die Toilette entleert. Das Gewitter war kurz, aber mächtig. Ich habe wie früher in meinem Kinderzimmer geschlafen – unter dem Dachfenster in Hönow.
In Istanbul gibt es nur wenige Menschen mit Kopftuch. Wer hier ist, muss sich auf jeden Fall die Hagia Sophia, die blaue Moschee und den großen Bazar angeschaut haben.
Wir haben den Ort gewechselt. Jetzt sitze ich in einem kleinen türkischen Friseur und warte. Die kleinen türkischen Gassen sind voll und gequetscht. Voller Menschen, voller Gewürze, Lederwaren, Krempel und Billigschrott. Es gibt Gutes und Schlechtes. So wie überall auf der Welt. Die Menschen rufen einem zu, laut und lauter, um ja etwas von den Touristen und Einheimischen abzubekommen. Insbesondere als Vegetarierin hat man es hier nicht leicht. Überall Döner für 60 Cent oder weniger. Für mich gibt es Pommes oder komische Käsestulle aus Weißbrot. Dazu Ketchup oder Mayonnaise, beides schmeckt nach nichts. Erst hatte ich überlegt, ob uns unsere diesjährige Reise in den Iran führen soll. Dort hätte ich sicher Falafel oder Hallomni bekommen. Hier muss man sich auf die Suche machen. Die Suche jedoch ist toll und macht Spaß. In Istanbul lässt man sich treiben – irgendwo und irgendwann kommt man an.
Ich frage mich, ob wir uns gerade in der türkischen Ferienzeit befinden. Wie auch in Deutschland oder bei meinem guten Freund Ercan helfen die Jungs aus der Familie in den kleinen türkischen Lokalitäten. Hier beim Friseur sind es die jüngeren Brüder oder Cousins, die den Großen zur Hand gehen. Es erinnert mich an meine Arbeit in Neukölln. Der türkische Tee, Kaffee, die Baklava.
Hier in Istanbul gibt es neben den türkischen auch arabische Viertel, einen ägyptischen Bazar. Und es gibt Kastanien, Maiskolben oder Weizenwaren wie Sand am Meer. Die türkische Alternative zum Berliner Bratwurststand mit Schirm am S-Bahnhof. Istanbul ist gewaltig, günstig und weltoffen. Und vor allem ist sie eins, keinesfalls ein exemplarisches Beispiel für den Rest dieses Landes.
Gleich schlängele ich mich wieder durch die Gassen. Auf der Suche nach einer Wasserpfeife samt Tee, Tomaten und Bohnen. Wie ich sie doch liebe diese Ferne. Scheiss auf Berlin. Berlin war gestern.



