Gebirge in meinem Fuß

Seit circa vierzehn Tagen bereits habe ich die Reste eines mittelgroßen Seeigels im Fuß bei dem ich ganze zehn Tage davon ausging, es wären Überreste eines größeren Steines im Wasser gewesen. Und so wie sich die Moleküle in meinem Fuß anfühlen, so fühlte es sich zu meinem Leidwesen gewisserweise auch in Kroatien an. Der mediterrane Mantel des Landes hat ganz losgelöst von seiner einzigartigen Natur samt Buchten, kleineren Städtchen am Meer oder vielfältigen Wassersportmöglichkeiten einfach nicht zu mir passen wollen. Ob mir der Mantel zu groß oder zu klein war, weiß ich nicht. Auch nicht, ob ich für ihn zu klein oder zu groß war. Aber irgendwie hat er gekniffen. Kroatien, übervölkert mit deutschen Touristen, Pancake-Ständen, Eiswaffel-Möglichkeiten und Biergelagen am Wasser, konnten mir die Ruhe, von der ich glaube, dass ich mich so sehr nach ihr sehne, nicht geben. Zu voll, zu teuer, zu bunt, zu grell. Und vor allem zu viele Strandmuscheln. Gab es in Bulgarien, Rumänien und Griechenland vor allem die guten alten Schirme aus den 90ern, hat hier das große Europa bereits einmal mächtig ausgeatmet. Zumindest die Wirtschaftsdynastie. Die Urlauber hier kommen aus Deutschland, Italien oder Österreich. Und mit ihnen viele Kinder und Familien oder aber vereinzelte Pärchen. Großartig vor allem waren die Strände, die Steine und die Kroaten selbst. All das sind sicher Gründe noch einmal im Oktober oder März dieses durchaus reizend sein könnende Land zu besuchen. Dann, wenn es weniger nach Tourismus und Großstadtfieber riecht.

Derweil sind wir auf dem Weg nach Slowenien; die grüne Lunge Europas. Wie sind geflüchtet und hören Adele, das gibt Aufwind. Ich freue mich auf Abgeschiedenheit, Naturschauspiel und Berge.

Den halben Seeigel habe ich immer noch im Fuß. Immerhin lenkt mich das piekende Gefühl von dem gewaltigen Arbeitspensum ab, das in Berlin auf mich wartet. Das ist das einzig Gute daran, diese kleinen Stacheln einfach nicht aus der Haut zu bekommen. Es ist als wäre ein Gebirge in meinem Fuß. Nur, dass ich nicht Ski darauf fahren kann.

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