Um mich herum ist es dunkel. Das Thermometer schlägt auf 15 Grad Celsius und die Uhr 23:30 Uhr. Vor mehreren Stunden bereits sind wir irgendwo in der Nähe von Salzburg gestrandet. Immerhin haben wir Mc Donalds in unseren Bäuchen – und tatsächlich gibt es hier in dem wunderbaren Österreich vegetarische Burger.
Hier ist es kalt, feucht und die Wälder und Berge sind voller Nebel. Heute Morgen, in der Nähe vom slowenischen Bled, hingen die Wolken so tief über der Erdoberfläche, dass Zelte, Caravane und Wohnmobile auf dem Zeltplatz tatsächlich nass gewesen sind. Der Herbst nähert sich in großen Schritt. Eigentlich ein Grund zur Freude für mich. Im Moment jedoch erinnert er mich vor allem an das Ende unserer Reise, Arbeit, auch Berlin als an die große Wollust auf rote und orange färbende Blätter und Waldspaziergänge.
Mittlerweile steht der kleine Uhrenzeiger auf Nummer acht. Draußen sind es immer noch 15 Grad und es ist kalt. Ich frage mich, warum wir es nicht länger am Meer ausgehalten haben und nach der Sinnhaftigkeit sich schon kurz vor unserem großen und heimatlichen Deutschland zu befinden. Würde ich mir bei einem anderen Wetter womöglich andere Fragen stellen?
Im slowenischen Nationalpark Triglav haben wir an dem See Bohinjsko Jesero einen Campingplatz gefunden, der uns laut Navi vor allem Natur und wilde Landschaften versprechen sollte. Die Lage war perfekt – Wald, großer See, Tiere – nur die überfüllten Menschenmassen waren wenig einladend. Die Situation und das Gemenge hat mich ein wenig an das Trimagische Turnier von Harry Potter erinnert. Abends kaum einen Stellplatz gefunden, reisten die Menschen am darauffolgenden Tag schon wieder ab. Und wir mit ihnen. Immerhin haben wir es erstmals geschafft mein neues Kanu auszuprobieren. Leider hat es nach unserer gestrigen Stellplatzsuche im Dunkeln einen erstes Riss und wir müssen es flicken.
Wer Höhlen liebt, dem sind die Höhlen in Postojna sehr zu empfehlen. Die Stalagmiten und Stalaktiten laden zur Phantasiefähigkeit eines Jedermann ein. Nicht nur deswegen habe ich dort Drachen, Nashörner, Brokkoli und Popcornstände inmitten der großen, 10 Grad temperierten Höhle sehen können. Die 80 Euro Investition für 2 Personen haben sich aus meiner Sicht nicht gelohnt. Zumal ich mich natürlich selbst immer wieder dabei erwische nach etlichen Höhenbesuchen leider bereits etwas abgestumpft zu sein. Immerhin bin ich letztes Jahr in Vietnam durch Höhlen und Schlamm geschwommen. Und wieder frage ich mich, ob der Mensch immer Mehr und Größeres braucht, um noch begeisterungsfähig zu sein? Sowohl in der Kulturszene, als auch in der Filmbranche oder im Freizeitbereich entdecke ich das gleiche Phänomen. Und wieder werde ich an das Lied von Yvonne Catterfeld „es geht immer noch ein bisschen mehr“ erinnert. Immerhin weiß ich jetzt, dass 1 Millimeter Höhlenwuchs ganze 10 Jahre dauert und der dort lebende blinde Molch bis zu 100 Jahre alt wird.
Am gestrigen Tag haben wir zwei Mal zwei Tramperinnen mitgenommen. Allesamt sehr nett. Doch auch hier merkte ich, dass die erste Begegnung mit den zwei jüngeren Frauen auch wesentlich jüngere Gespräche Zustande brachten. Das Thema Arbeit wurde nur ein einziges Mal kurz gestriffen und das auch nur, weil Fabian danach fragte. Ansonsten ging es um Lebenseinstellungen, Lebensmittel und vor allem ums Reisen. Die beiden wirkten noch so unverbraucht und ausgestattet mit einer großen Lust auf das große Leben. Ich musste an mich selbst vor vielen Jahren denken.
Was der heutige Tag bringen wird, weiß ich nicht. Auf jeden Fall Regen. Erhofft habe ich mir Seilbahn und Sommerrodelbahn. Beides wirkt aufgrund des Wetters nun sehr weit weg. Vielleicht flüchten wir morgen auch wieder weiter. Aber eine Flucht nach vorn kann es nicht mehr geben. Dort befinden sich Arbeit und Alltag. In Mitteldeutschland sollen am Wochenende 25 Grad sein, hier in Österreich 15. Mal schauen, wo uns die Zeit hinträgt.

