Kennt Ihr das? Wenn man einen langen Tag hinter sich hat; im Grunde genommen über keinerlei Energie mehr für eine ausgiebige Dusche verfügt und sich dennoch – aus im ersten Moment wenig nachvollziehbaren Gründen – irgendwie dazu aufrafft, Wasser über seinen an Tagen wie diesen vermurksten Körper zu schütten? Hat man seinen Schweinehund erst einmal überwunden; fühlt es sich an wie ein kleines bisschen Glück. Gar so als hätte man gerade ein großes Bier nach seiner kilometerlangen Wanderung in sich aufgenommen, um dem Körper endlich etwas Gutes zu tun. Glück, das ein klein wenig nach Freiheit riecht und ja eigentlich ist auch ein kaltes Bier eines dieses Glücksgefühle, welches ich gern als gediegene Flatrate in meiner Hosentasche spazieren tragen würde. Aber wäre es dann tatsächlich auch noch einer dieser Glücksmomente, nach denen man sich immanent und insgeheim so sehr sehnt? Kann man etwas, was was immer bei sich sich hat, überhaupt als Glück bezeichnen. Und wie dankbar sind wir eigentlich für die Selbstverständlichkeiten unseres kleinen Alltags?
Seit einigen Tagen also versuche ich mich allabendlich in die kleine Dusche des kleinen Miniwohnwagen namens Knutschkugel zu quetschen, um ein paar der wenigen Tropfen unseren druckarmen Dusche zu ergattern. Und immer erreichte ich das gleiche: das Gefühl ein kleines Spritzers Glück, dass ich am Liebsten in mir aufsaugen würde.
Nach meinem mittelmäßigen Vorstellungsgespräch in Berlin sollte es heute also endlich losgehen. Um ca. 14:00 Uhr ließen wir die Segel los und machten uns endlich auf den Weg Richtung Prag. Immerhin kannte ich den Weg schon aus den letzten Wochen Ungarnfahrt und fühlte mich stolz wie eine kleine Expertin. Bin ich doch bereits in dieser Phase samt einer kleinen Horde schlafender Gören durch das wunderbare Tschechien gefahren. Ich kannte mich also aus. Und so ließ ich also Fabian den Vortritt gehen ca. 19:00 Uhr in die Stadt der berühren Bine Maja einzutauchen, um unseren kleinen, aber brauchbarenCampingplatz ca. 20 Minuten von der Prager Altstadt entfernt, anzusteuern.
Viel zu erzählen, gibt es von dem heutigen Tag nicht. Neben uns haben zwei Dutzend Menschen vier Jurten aufgeschlagen, um auf Palettenmöbel dennoch rund um dem großen Lagerfeuer zu schlafen. Ich höre Musik. Ich höre sie lachen. Darüber hinaus wieder: eine Straße. Diesmal in weiterer Entfernung – aber immer noch präsent. Die Stille, die ich suche, bleibt im Verborgenen und so bleibe ich weiter auf ihrer Spur und freue mich auch die Zeit in meiner Hängematte. Wir befinden uns zwischen einigen Hügeln entlang eines kleinen Flusses. Prag muss also höher als Berlin liegen und zeigt sich umgeben von einer liebevollen und begrünten Berglandschaft. Ohnehin erinnerte mich bereits während meiner Ungarnfahrt der deutsch-tschechische Grenzbereich rund um Dresden an das Auenland aus dem Buch und gleichnamigen Film „Herr der Ringe“. Friedlich, voller Hügel umrahmt und von einer roten Sonne angestrahlt.
Bis eben hat es geregnet. Unser Essen – heute gab es Kartoffelbrei und Blumenkohl – habe ich wie immer in Wohnmobil zu bereitet, dieses Mal inklusive Fabian der sich im Bett lümmelte. Im Schneidersitz – aus meiner Sicht war das notwendig und anständig – aßen wir unsere wenigen Habseligkeiten binnen weniger Minuten. Danach machte ich mich wieder auf die Suche nach diesem Glück. Irgendwo in der Dusche samt kleiner Fliegen und komischen Neonlicht, das mich blendete. Vorhin noch war ich in dem kleinen Fluss neben uns baden. In der Nähe hockten ein Schwan samt sechs größeren Schwanenbabies und ein Biber, mit dem ich am Liebsten gemeinsam ein Stück geschwommen wäre. Er schwamm allein. Es scheint als würde Wasser eine magische Anziehungskraft auf mich haben – ob in der Dusche oder im Fluss nebenan. Und so werden wir uns wohl erst morgen früh in die tschechische Hauptstadt machen, um im Anschluss daran irgendwo in der Natur zu zu schlafen. Hoffentlich in der Nähe eines Sees. Hoffentlich da, wo ich wieder ein bisschen Glück finden kann.

Gut geschriebener Text! Interessant zu lesen! Bin neu hier und das ist einer der ersten Texte, die ich gelesen habe! Finde ich gut! 🙂
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Lieben Dank – dann werde ich mir auch mal Deine Texte anschauen. Viele Grüße aus Ungarn 🙂
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